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| Der Spieler Eine Sammlung exzentrischer Synapsen: Das Kino nach Robert Altman Von Kathleen Murphy Übersetzt von Peter Körte „Warum stellst du dir goldene Vögel vor? Siehst du nicht, wie die Amsel um die Füße der Frauen bei dir herumgeht?“ Thirteen ways of Looking at a Blackbird von Wallace Stevens In der Provence stellt Vincent van Gogh seine Staffelei mitten in ein Feld prächtiger Sonnenblumen. Robert Altmans Kamera bewegt sich wild hin und her, fängt Nahaufnahmen ein von goldenen Sternen und überschaut ruhelose Sternbilder. Weder der Regisseur noch der Maler kann sich auf den Raum für eine Einstellung festlegen; wie ein Zauberlehrling hat die Natur eine Schwindel erregende Fülle von Formen erzeugt, jede potenziell einzigartige Blume ist ein winziger Haltepunkt in einem Gitter aus pulsierendem gelben Licht. Schließlich überantwortet sich van Gogh dem Chaos, verschmiert mit rasender Hand schwarze Farbe auf der leeren weißen Leinwand und reißt dann ein Bündel Sonnenblumen aus der Erde. In eine Vase gestellt, aber noch immer kraftvoll, werden diese ausgewählten Triebe reiche Orte dick aufgetragener, zwischen Gelb und Ocker changierender Farbe in einem Bild nach dem anderen. Diese außerordentliche Sequenz in Altmans Vincent And Theo (1990) erschreckt und berauscht zugleich. Unsere Wahrnehmung wird fast bis zum Delirium erschüttert durch den heißen Strom und den Reichtum der natürlichen Welt. Überwältigt und verstoßen von der schieren Fülle äußerer Phänomene, muss der Künstlerheld laut Altman einen Zugang zum Kern der Sache finden. Eine rasende Fokussierung, ein langsamer Zoom, die Einstellung eines überfüllten, vielschichtigen Gesichtsfelds Altmans hungriges Auge kann nie genug bekommen, um das ganze Geheimnis zu erfassen. Dieser unbefriedigte Appetit kann wie ein innerer Abgrund sein, wie Dissoziation oder Tod. Die Christusfiguren, die Madonnen, die heiligen Geister, die Magdalenas und Judasfiguren in Altmans Mythologie suchen alle die Kommunion in irgendeiner Gesellschaft von Heiligen. Obwohl sie daran scheitern, Essen, Familie und Zuflucht zu finden selbst in Träumen und in der Kunst , bilden die Überflieger, Privatdetektive, Seelenräuber, Liebenden und andere Fremde ein kinematisches Nervensystem, das in seiner komplexen Lebendigkeit seinesgleichen sucht. Wie einige von Altmans realen und imaginären Gemeinschaften (Lion’s Gate, die presbyterianische Kirche, Popeyes Sweet-Haven, Philip Marlowes Apartmenthaus, La-La-Land) krallt sich diese Sammlung exzentrischer Synapsen am Rande der Dinge fest, verbunden allein durch Hängebrücken. Altmans Bilder funktionieren wie poetische Metaphern, jede spinnt sich nach außen innerhalb und jenseits des jeweiligen Filmes, ein sich ständig erweiternder Wirbel, der sein gesamtes Œuvre in sich aufnimmt. Kitzeln wir für einen Moment den goldenen Faden aus Vincent And Theo heraus: 13 Arten, ein Sonnenblumenfeld zu betrachten. In McCabe and Mrs. Miller (1971) signalisieren Inseln goldenen Lichts einen Zufluchtsort für das Auge, von McCabe, wie er ein Streicholz entzündet, das einen Film/eine Stadt in Betrieb setzt, über die wuchernden Lampen und Feuer, die vor einer düsteren Wildnis glühen, bis zum schwachen Trost einer Kirche in Flammen, die eine Gemeinde vereinigt und die Außenseiterseele hinausekelt, die zuerst eine presbyteriansiche Kirche erträumte. Mrs. Millers Teller mit Rührei schimmern wie Seelennahrung, aber sie ist kein fruchtbarer Van Gogh, dessen geschwärzte Zähne ihn geschmacklich verbinden mit dem goldgekrönten McCabe (Warren Beatty), der umgeben ist von einem unruhigen Stoff aus sonnenerleuchteten Schneeflocken. Constance Miller (Julie Christie) ist eine auffallende, säuberlich verdorbene Konsumentin, die den Wert des Essens kennt und in ihrem Herzen verschlossen hält. Paul Gauguin ist ihr grausamerer Verwandter, ein Judas, der sein Essen wohlüberlegt in ästhetischen Formen arrangiert, die seine bessere Hälfte rausschmeißen und zur Raserei treiben sollem. Wenn Vincent van Gogh (Tim Roth) Wein aus seinem schlaffen Mund rinnen lässt, ist das ein Einverständnis mit seiner sich verschlechternden geistigen Gesundheit, aber es protzt zugleich mit dem heiligen Appetit, der ihn auf dem Weg vorantreibt, den er eingeschlagen hat und mit dem er leidenschaftlich die Welt verwandelt. McCabe ist ein entbehrlicher auteur einträglicher Inszenierung; die Auszahlung der presbyteriansichen Kirche wird von echten Geldleuten kommen, nachdem er tot ist, genau wie sich in einer modernen Auktion Van Goghs Sonnenblumen in Millionen bezahlt machen. Mrs. Miller, McCabes Art Director und Buchhalterin, fixiert die braune Wölbung einer Opiumpfeife, bis diese Wölbung zum flüssigen Rand einer Sonne wird. Die Poesie, die McCabe in sich hat, drückt sich aus in warmen Zufluchstorten, gebaut aus reichem gelben Holz, und in seiner symbiotischen Anhänglichkeit an “Beautiful Dreamer”, die Hure mit dem buchstäblichen Herz aus Gold, die Sonnenwärme und Nahrung in ihre Pupillen einsaugt, als der Schnee ihn verschluckt. McCabes gekrümmte Haltung nimmt Theo Van Goghs (Paul Rhys) nackte Form in der dunklen Zelle vorweg, den gebeugten Körper, Gesicht und Arm dem Mondlicht entgegengereckt, und Constance wird konstant bis zur Verrücktheit. Van Goghs Kampf, einen Blick auf das Sonnenblumenfeld zu finden, fällt in dasselbe Spektrum, das BBC Opals (Geraldine Chaplin in Nashville, 1975) Geplänkel mit einer Leinwand voller gelber Schulbusse beflügelt, die sie zu journalistischen Banalitäten reduziert. Später, 1977, benutzt Millie Lammoreaux (Shelley Duvall) in 3 WOMEN ein wenig Phantasie, um die Gelbtöne ihrer Wohnung, Kleidung und ihres Autos aufeinander abzustimmen, als ob eine symbolische Sonne die Leere ihrer geisterhaften Existenz füllen und erwärmen könnte auch wenn es Sissy Spaceks Pinky Rose ist, die mit Millies Persönlichkeit wachsen wird: ein embryonaler Zustand in der Evolution einer Dreifaltigkeit von Frauen zum sich selbst genügenden Matriarchat. Wie kann man den Amseln entfliehen? Altmans Geschäftemacher wie Hawkeye und Trapper John (Donald Sutherland und Elliott Gould") in M*A*S*H oder Bill und Charlie (George Segal und Gould) in California Split arbeiten verzweifelt daran, dazuzugehören, ihre „Ich bin cooler als Du“-Masche ist nur ein dünner Schutz davor, ausgestoßen zu werden, zu verschwinden, zusammenzubrechen. Altmans Auge beglaubigt diese Illusion der Gemeinschaft mit einer solchen Macht unter Teufelskerlen von Sanitätern und unter Spielern in einer Gewinnsträhne , dass wir uns am Ende nirgendwo mehr hinwenden können, wenn das Kartenhaus eingestürzt ist |
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